Sarah Depold
8. März 2021
(Aktualisiert: 8. März 2021)

Corona-Wechselunterricht an Schulen - Geht's noch?

Nun ist es soweit: Meine drei Kinder gehen ab diese Woche alle in die Kita bzw. Schule - mit dem Corona-Wechselunterricht. Während es in der Kita bei den normalen Gruppen bleibt, sind die Klassen meiner Söhne in jeweils zwei Gruppen aufgeteilt. Leider wurde für uns Eltern alles schlimmer. Wie soll man so noch arbeiten?

Homeschooling-Unterricht machen Eltern

Wir hatten uns beim Homeschooling eingegroovt. Trotz Fernunterricht, der dieser Bezeichnung nicht gerecht wurde. Einer meiner Söhne bekam von einer Lehrkraft nur wöchentliche Aufgaben mit Lösungen. Das war's. Tolle Wurst. In anderen Fächern lief es besser, teils anstrengender.

Das wird bei vielen Familien ähnlich (schlecht) gelaufen sein. Digitalunterricht in Deutschland ist anscheinend rar gesät, wenn ich so von vielen Berichten anderer Eltern lese. Nur vereinzelt gab es zufriedene Stimmen. Übrigens lassen sich die Videostunden mit Lehrerinnen meiner Söhne zusammen an zwei Händen abzählen. Vielleicht vier, wenn wir aufrunden.

Das Corona-Wechselmodell, Homeschooling und Homeoffice. Seufz. - mamaskind.de
Das Corona-Wechselmodell, Homeschooling und Homeoffice. Seufz. - Foto von cottonbro von Pexels

"Homeschooling-Unterricht" fand also (größtenteils) nicht statt. Ausgedruckte Arbeitsblätter gab es für die erste Klasse, ab und an mal ein YouTube-Video. Homeschooling-Unterricht ist das, was wir Eltern draus machten. Die Verantwortung, ob mein Erstklässler richtig lesen und schreiben lernt, lag also bei uns. Welch zusätzlicher Druck!

Das Wechselunterricht an Schulen macht Arbeit unmöglich

Wir hatten unseren Rhythmus gefunden: Frühstück, Homeschooling-Aufgaben, Zock-Zeit, gemeinsame Spielzeit, essen, vorlesen. Das ist grob unser Corona-Pandemie-Alltag mit Schulkindern und Kita-Kind. Wir arbeiteten in Schichten, damit wir unsere Soll-Stunden mit klarem Kopf schafften. Wochenend-Arbeit, Stress für alle und garantiert kein so liebes Familienumfeld mehr, wie wir es gerne hätten. That's a fact.

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Arbeit mit Kita-Kind und Schulkindern ist stressig. Mit Corona-Wechselunterricht beinahe unmöglich.

Durch den Wechselunterricht an der Berliner Schule wird es für uns noch schwieriger, zu arbeiten. Und wir sind in der privilegierten Situation mit Homeoffice!

Homeschooling geht weiter mit dem Corona-Wechselmodell in Berlin - Mamaskind.de
Homeschooling geht weiter mit dem Corona-Wechselmodell in Berlin - Foto von energepic.com von Pexels

Wechselunterricht an der Schule: halbe Tage

Ich kann es mir nur so erklären: Die Personen, die das festgelegt haben, haben keine kleinen Schulkinder. Und selbst für größere Kinder ist es ein - in meinen Augen - sehr beschränktes Modell.

Beschränkt im Sinne von doof als auch einschränkend. Denn für uns heißt das: Der Erstklässler muss pünktlich um 8 Uhr in der Klasse sitzen. Aber bitte auch nicht zu pünktlich. Um 10.30 Uhr muss er wieder abgeholt werden.

Das bedeutet für uns: Wir müssen ihn aufgrund des Weges zur Schule bringen und abholen. Unter zwei Stunden Arbeitszeit verbleiben also, während das kleine Schulkind in der Schule ein paar Aufgaben löst.

Die nächste Gruppe startet dann von 11 Uhr - 13.30 Uhr mit dem Unterricht. Die Kita hat wieder für mind. 7 h pro Tag geöffnet. Meine Tochter darf endlich wieder ihre Freunde sehen - und will auch gebracht und abgeholt werden.

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Chaos - Arbeit, Hausaufgaben, Kinder abholen, die 2,5 h in der Schule sind. - Mamaskind.de
Chaos - Arbeit, Hausaufgaben, Kinder abholen, die 2,5 h in der Schule sind. - Foto von cottonbro von Pexels

Homeschooling lite zu Hause

"Natürlich müssen weiterhin Aufgaben zu Hause bearbeitet werden." hieß es von der Schulleitung. Selbstverständlich finden das ein Erstklässler und dessen Eltern uncool. Wir machen also weiterhin "Homeschooling lite" zu Hause mit einem Kind, das eigentlich nur noch fix und fertig ist und endlich Pausen braucht.

Bei meinem großen Sohn werden es sicher mehr Aufgaben sein, die er bearbeiten muss. Die vierten bis sechsten Klassen in Berlin dürfen in dieser Woche wieder in die Schule: In halben Klassengrößen und ebenfalls mit 2,5 h Präsenz in der Schule.

Schule & Corona-Wechselmodell: Wie sollen Eltern so arbeiten? - Mamaskind.de
Schule & Corona-Wechselmodell: Wie sollen Eltern so arbeiten?

Betreuung durch Lehrkräfte nicht mehr möglich

Ich kann es verstehen und dennoch wird alles weiterhin auf den Rücken der Eltern und Kinder ausgetragen. Es gibt in Berlin zwar keine Präsenzpflicht, jedoch kann die Schule es nicht bewerkstelligen, Unterricht für freiwillig Daheimgebliebene anzubieten. Unterricht ist das (meiste) in meinen Augen nicht. Es ist betreutes Aufgaben-Abarbeiten. Betreut durch die Eltern.

Das soll kein Rant gegen Lehrkräfte sein, die sicherlich ebenfalls unter großem Druck stehen. Noten vergeben müssen, die Eltern aushalten und Kinder unterstützen wollen. Meine Kritik greift höher.

Danke an die Lehrerinnen! An dieser Stelle der Hinweis, dass es bei meinen Söhnen vordergründig tolle Lehrerinnen gibt, die das wirklich toll machen und auch wollen, dass die SchülerInnen etwas lernen und den Unterricht dementsprechend gestalten!

Brandenburg: Wechselunterricht nach Wochen

Besser für die Organisation der Arbeit finde ich den Wechselunterricht in Schulen in Brandenburg. Dort hat Gruppe 1 eine volle Unterricht, die andere Gruppe Homeschooling. Dann wird gewechselt.

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Für uns persönlich wäre dieses Wechselmodell besser, da einfach die Zeit zum Denken fehlt. Die Zeit zum Arbeiten und produktiv sein. Und damit meine ich nicht kochen, putzen und aufräumen.

Auch mein kleiner Sohn findet es doof: Ab 11 Uhr in die Schule zu müssen, wo es kein Mittagessen gibt, keine Mittagspause und er das Mittagessen erst zu Hause gegen 14 Uhr bekommt. Verständlich. Selbst feste Uhrzeiten fände ich sinnvoller - nicht dieses Schichtsystem, das wöchentlich wechselt. Für uns Eltern ist das super schlecht zu planen!

Wie machen das andere Familien?

Ich schreibe aus meinem gemütlichen Homeoffice. Als Selbstständige muss ich mich aber auch aktiv um Arbeit kümmern. Mein Mann hat einen sehr guten Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitszeiten (und ein tolles Programm rundherum). Wir haben in dieser Hinsicht Glück!

Doch viele Eltern haben Jobs, die sie nicht zu Hause erledigen können. Jobs, die zu den wichtigsten zählen. Eltern, die andere pflegen, betreuen, unser System am Laufen halten, richtig systemrelevant sind.

Wie soll das perspektivisch weitergehen? Sollen Eltern zwei Wochen im Monat Urlaub nehmen? Über eine Krankmeldung (mit reduziertem Gehalt) kann's ja nicht laufen. Es ist nicht zu Ende gedacht, sondern eine weitere Belastung für Eltern und Kinder.

Lasst die Corona-Spiele beginnen!

Spannend ist natürlich auch, dass es sowohl in der Schule meines großen Sohnes im Herbst einen Corona-Fall gab und letzte Woche in der Kita meiner Tochter: Kind als auch Elternteil - in einer anderen Gruppe. Die Erzieherinnen sind noch nicht geimpft, Tests gibt es meines Wissens nach noch nicht. Es ist ein Spiel auf Zeit, nur eben kein schönes.

Und doch nehmen wir die Betreuung in Anspruch. Nach fast 3 Monaten ohne Betreuung und Regelmäßigkeit, dafür mit mehr Stress als ich jemals hatte, brauchen wie diese Pause. So kurz sie auch sein mag. Bis zum nächsten Lockdown oder Corona-Fall.

Meinen Job als Angestellte habe ich dieses Jahr gekündigt - es ging nicht mehr alles gleichzeitig. Das ist meine persönliche Corona-Auswirkung bisher. Und ich hoffe, dass es bei der Tatsache bleibt und wir oder unser Umfeld nicht mit der Gesundheit bezahlen müssen.

Bleibt gesund.

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7 comments on “Corona-Wechselunterricht an Schulen - Geht's noch?”

  1. Bei uns kann es jede Schule organisieren wie sie es für richtig hält. Mein Sohn hat wochenweisen Wechsel in der Frühschicht, meine Tochter tageweisen Wechsel. So haben wir in einem zweiwöchigen Rhythmus 2 kurze Vormittage, an denen beide Kinder zeitgleich in der Schule sind.
    Ja, es ist durch den noch komplizierter geworden. Ich habe die Schulöffnungen tatsächlich auch nicht primär als Entlastung der Eltern verstanden, sondern als Maßnahme, die Kinder wieder mit einem Kompromiss an die Schulen zurückzuholen. Da ich selbst auch keine bessere Idee habe zur Umsetzung, kann ich damit leben. Ich bin froh, dass meine Kinder wieder ein klitzekleines bisschen Leben zurückbekommen haben in Form eines Schulbesuchs. Nicht mehr und nicht weniger.
    Das ist auch keine Kritik an Deinem Beitrag, aber ich lese immer nur, dass es nie passt. Es ist immer zu viel, zu wenig oder das falsche (Videokonferenzen, Benotung, Homeschooling, Präsenzunterricht etc).
    Ich finde das alles auch Mist. So ist es ja gar nicht.
    VG

    1. Hallo Anni,
      danke für den Beitrag!
      Das klingt bei euch auch bescheiden. :-/
      Das kann natürlich sein, dass es hier auch unterschiedlich bei den einzelnen Schulen ist!
      Ich habe nur den Vergleich mit meiner Freundin in Brandenburg.
      Klar, mein Blogpost ist meine persönliche Sicht und man darf ganz klar rauslesen:
      Ich kann nicht mehr.
      Kann nicht mehr dafür sorgen, dass die Kinder wirklich ihren Berg an Aufgaben erledigen,
      nicht so viel zocken (haha), wir trotz Arbeit Zeit für sie finden und die privaten Dinge, die hier das Fass zum Überlaufen bringen, nicht eskalieren.
      Also ja: Es wird keine Lösung geben, die alle gut finden.
      Deswegen schrieb ich auch: Für uns ist das eine doofe Lösung.
      Besser ist es für uns nicht geworden, im Gegenteil.
      Größeres Risiko. mehr Stress und die Kinder profitieren nicht wirklich bei der Anzahl an Stunden.
      Aber ich gebe dir recht:
      Dass sie Kinder immerhin ein bisschen Normalität haben, ist toll.
      Ich fürchte aber, dass die Realität von vielen schriftlichen Leistungskontrollen eingeholt wird.
      Da ich nur wenige politische Entscheidungen FÜR Kinder gesehen habe,
      denke ich doch, dass es eine Entscheidung, ein Zuckerbrot, für Eltern ist.
      Damit sie "entlastet" werden. Sind ja bald Wahlen.
      Liebe Grüße
      Sarah

  2. Homeschooling hat zwar relativ gut geklappt, aber ich merke immer wieder, dass der Sohn zu Hause anders arbeitet als in der Schule. Er macht sich zu Hause irgendwie anders Druck und setzt sich selbst unter Stress, obwohl wir wirklich keinen Druck machen, nur darauf achten, dass er alles gewissenhaft erledigt. Seine Schule arbeitet überwiegend digital, aber dennoch hat es ihm zermürbt.
    Ja, hier wird es nun auch komplizierter die Tage wieder zu organisieren, aber ich bin dankbar, dass er zumindest 2-3 Tage in die Schule kann. Es wird ihm gut tun und er sagt selber, dass er seine Lehrer total vermisst hat und froh ist mal nicht unter uns lernen zu müssen.
    Für mich wird es vor allem wieder viel Gerenne bedeuten, aber es nimmt mir ehrlich gesagt auch die Last die Verantwortung dafür tragen zu müssen, dass er alles gut vermittelt bekommt. Manche Dinge klappen eben doch besser mit Lehrern.

    Ich bin nun einfach gespannt, wie lange es so nun laufen wird und wann wieder der ganze Alltag umgekrempelt wird.
    Mein Kind freut sich und das wiederum macht mich froh. Das Homeschooling hat ihm auf Dauer wirklich nicht gut getan emotional.

    1. Hi Sari,
      du hast einen ganz wichtigen Punkt genannt, den ich nicht berücksichtigt habe:
      Verantwortung.
      Danke dafür!
      Denn das ist absolut richtig, es fällt mir ein Stein vom Herzen, dass ich eben nicht mehr dafür sorgen muss, ob mein Sohn nun richtig schreibt.
      Das kann ich auch gar nicht beurteilen. Und muss es auch nicht mehr.
      Jetzt sagen wir immer:
      Er ist allein verantwortlich und muss sich gegenüber seiner Lehrerin selbst verantworten.
      Das hilft bei uns tatsächlich sehr!

  3. Hallo, bei uns in Österreich ist es etwas besser organisiert, obwohl auch nicht alles ganz gut organisiert ist.

    Wenn ich mir aber deinen Bericht lese haben wir ja schon Luxus in Sachen Schule. Die Oberstufen Kinder besuchen auch einen Wechselunterricht, a la 2 Tage so, und 2 Tage so.

    Die Grundschüler gehen normal zur Schule von 8 Uhr bis ca 11:45 Uhr, dann geht man heim oder in den Hort. Letztes Jahr hatten wir auch mal einen Wechselunterricht, aber da waren auch zb 2 Tage von 8 bis 11 Uhr 45 Uhr und Hort, aber nicht so eine komische Aufteilung mit 2,5 Stunden pro Tag - ich würde ausflippen. Wie soll ein Berufstätiger das mitmachen? Darum hat die österreichische Regierung doch etwas mitgedacht und den Eltern vieles erleichert.

    Ich hoffe der Schei.. hat mal ein Ende! Alles Liebe!

    1. Hallo seinfeld,
      danke für die Nachricht!
      Nach und nach zeigt sich auch, dass es hier überall anders gemacht wird.
      Manche Schule macht das z.B. wochenweise: 1 zu Hause, dann 1 voll in der Schule.
      Damit könnten Eltern besser arbeiten und die Kinder sich besser darauf einstellen.
      Die perfekte Lösung für alle wird es nicht geben - aber 2,5 h am Tag finde ich sinnfrei.
      Alles Liebe auch für euch!
      Liebe Grüße
      Sarah

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