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Sarah Depold
5. Oktober 2015

Die Schulanmeldung mit ersten Hürden

Heute war der Tag der Tage: ich meldete meinen Sohn in der Schule an. Der Sohn, der vor vier Jahren noch nicht mal sprechen konnte plappert nun wie ein Wasserfall, rechnet Plus- und Minus-Aufgaben und freut sich auf das Abenteuer Schule. Für mich ist das zur Zeit eher ein bürokratisches Monster. Die Schulanmeldung zeigt erste Hürden und fehlendes Wissen!

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Schulanmeldung - viel bürokratischer Aufwand

So manches Mal denke ich mir: "Zum Glück haste studiert und dich dabei durch lange Gesetzestexte geplagt, sonst würdeste die Berge von Papier und Anmeldung für die Schule gar nicht auf die Reihe kriegen." Tatsächlich bereitet dich niemand auf die Realität vor. Man muss sich plötzlich Gedanken machen, wohin man sein Kita-Kind in den sechswöchigen Ferien steckt, in welche Schule es soll, ob die in Berlin typische verlässliche Halbtagsgrundschule reicht, man den Hort dazu bucht oder es doch ein gebundener Ganztagsbetrieb sein soll. Fragen über Fragen, die uns seit mehreren Wochen beschäftigen und den Austausch mit anderen Kita-Eltern anregten. Uns reicht der Unterricht bis 13.30 Uhr nicht aus - der Sohn wird den Hort besuchen und das sogar schon vor der Einschulung, was nicht von jedem gerne gesehen wird. Klar, das Kind wird unmittelbar in eine neue Umgebung mit neuen Leuten gegeben. Doch was machen arbeitende Eltern? Wir bereiten unseren Sohn darauf vor, dass er den Hort in der Ferienbetreuung besuchen wird, weil wir arbeiten werden. Er fasste das ganz gut auf, denn die Besichtigung der Schule gefiel ihm.

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Es gibt jedoch ein großes Angebot an Schulen. Allein um uns herum sind mehrere verschiedene staatliche Schulen als auch private Schulen. Ein Platz an unserer Einzugsschule kann nicht versichert werden. Warum also nicht das Glück versuchen, an einer Wunschschule angenommen zu werden, die hohe Ablehnungsquoten, aber das passende Schulkonzept hat? Sollte mein Sohn besser auf die Schule gehen, wo viele seiner Kita-Freunde hingehen, die aber in einem anderen Gebiet liegt? Fußläufig sind alle für uns gleich gut zu erreichen. Das Problem: wenn 2.0 eingeschult wird, kann nicht sichergestellt werden, dass auch er auf der Schule des Bruders landet. Es wird immer nach verfügbaren Plätzen entschieden. Selbst an der Schule im eigenen Einzugsgebiet kann es zu einer Ablehnung kommen, wenn die Jahrgänge (wie 2010) sehr geburtenstark sind. Horror: das wird uns erst nächstes Jahr mitgeteilt, woraufhin wir noch eine andere Schule wählen können. Toll. So richtig und hundertprozentig wusste das jedoch niemand in der Schule. "Das entscheidet das Bezirksamt." Willkommen in der Schule, liebe Eltern, das kann ein Spaß werden.

Religion oder Weltanschauungsunterricht?

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Religion oder Lebenskunde

Doch eine Frage überforderte mich: soll mein Sohn Religionskunde (evangelisch oder katholisch) oder Weltanschauungsunterricht bekommen? Erste Frage: Ist das Pflicht? Ja, "bei uns ist das ein Unterrichtsfach", sagte man mir. Auf der Berliner Website steht dazu etwas anderes. Demnach ist dieser freiwillig und ca. 50 % der Schüler nehmen daran teil. Ich musste das in meiner Schulzeit nicht belegen und habe keine Ahnung, was Inhalt ist. Verzweifelt chattete ich den Mann an, was er davon hält. Religion fiel sofort raus, da wir keine Berührungspunkte damit haben. Doch eigentlich möchte ich, dass mein Sohn zumindest die Möglichkeit hat, sich darüber zu entscheiden.

Warum gibt es nur diese beiden Religionsfächer? Sollte es hingegen nicht nur ein Fach für alle Schüler geben, das sachlich über die Religionen informiert? Ich bin sehr stark dafür. Jeder darf glauben, was er will, das sage ich auch meinem Sohn, der vor kurzen beschloss, an Gott zu glauben und ihn immer mal wieder erwähnt. In der Anmeldung heißt das Fach Weltanschauungsunterricht plötzlich "humanistischer Lebenskundeunterricht". Nach dem Blick in den Lehrplan bin ich erleichtert, das ist doch genau das, was ich mir wünsche (auch für mich): sachliche Aufklärung, Toleranz, Verständnis anderer Religionen. Das klingt doch vielversprechend. Es heißt auch nicht umsonst: durch Kinder lernt man. Das werden wir definitiv.

Die Hortanmeldung

Schon jetzt sollen wir uns mit der Frage beschäftigen, wann unser Sohn den Hort besuchen wird. Das wird er noch in den Sommerferien, die wir teils mit der Betreuung durch die Oma und mit eigenem Urlaub überbrücken. Sehr krass und vermutlich das Leid vieler Eltern: nach ein paar Wochen Schule sind schon die nächsten Ferien: es gibt Herbstferien! *kreisch* Mein Sohn wird den Hort hoffentlich mögen. Bei der Schulbesichtigung in der letzten Woche schien er sogar begeistert von den Horträumen zu sein. Diese liegen auf den jeweiligen Etagen der Klassenräume und sind mit ausreichend Spielzeug, Bastelmaterialien und vor allem: Betreuungspersonen ausgestattet. Anhand einer Tafel erkennt man, wo sich ein Kind gerade befindet. Geht es raus, wird der Fotomagnet des Kindes auf den Schulhof verschoben. Insgeheim dachte ich, dass mit Sendern ausgestattete Kinder doch viel effektiver und problemloser zu orten seien. Aber das ist wohl noch ein Zukunftsding - zumal rechtliche / persönliche / was auch immer für Gründe gegen eine Digitalisierung sprechen könnten...

Es bleibt Arbeit für uns Eltern

Die Hortanmeldung konnte ich noch nicht abgeben, die muss erst zum Jugendamt geschickt werden. Das war mir trotz ausreichend Formularwirrwarr nicht klar. Wieder müssen Einkommensnachweise und Vermerke der Arbeitgeber zum Jugendamt geschickt werden. Das haben wir doch erst für die Kita-Anmeldung von 2.0 erledigt. Ich fühle mich ein wenig verloren in dem Berliner Schulnetz und das, bevor die Schule überhaupt anfängt! Trotz eifrigen Lesens der Flyer und Hinweishefte ist das für mich ein einziges Durcheinander, es bleibt die Recherche, man muss selbst etwas tun. Ob unser Sohn an der gewünschten Schule mit seinen Freunden angenommen wird, erfahren wir erst im nächsten Sommer. So sollte das nicht funktionieren. Warum ist das digitale Zeitalter noch nicht in den Behörden und Schulen angekommen? Wie kann ich meinem Sohn im Fall der Fälle klar machen, dass er nicht die ausgesuchte Schule besuchen wird, auf die auch seine Freunde gehen? Wie kann das erst so spät feststehen? Es ist ein Graus.

18 comments on “Die Schulanmeldung mit ersten Hürden”

  1. Ich wünsche Euch viel Erfolg und das nötige Quäntchen Glück!
    Ein bisschen freue ich mich ja gerade, dass wir diese Auswahl einfach nicht hatten. Aber Nachmittagsbetreuung ist auch hier wegen Arbeit notwendig und gar keun Manko: Die Angebote sind vielfältig und auch die Ferienbetreuung wird nächste Woche in Anspruch genommen.

    1. Danke :)
      Ich finde Nachmittagsbetreuung auch sehr gut. Wenn ich meinen Großen zu früh aus der Kita abhole ist er sogar eher enttäuscht, weil er noch mit den Freunden spielen will. Das fehlt ihm dann richtig. Zur Zeit nehmen wir oft einen Freund oder eine Freundin mit. Beide verschwinden dann im Kinderzimmer im machen (manchmal keinen) Quatsch.
      Gut, dass es Ferienbetreuung gibt! Keine Ahnung, warum uns das so schlechtgeredet wurde.

  2. Das, was du hier beschreibst, meine Liebe, ist erst der Anfang. Nächsten September geht die Schule los. Die erste Woche ist prima. Dann kommt der erste Eintrag. Und dann noch einer: "Ihr Kind wirft mit Schulmaterial" oder "Ihr Kind redet im Unterricht". Und du denkst, a) können das die Lehrer nicht selber regeln und b) was hab ich nur für eine Höllenbrut herangezogen?

    Dann kommen die ersten Elternversammlungen und Elternsprechtage. Und du merkst, dass der IQ der anderen Eltern auf Zimmertemperaturniveau herummäandert und dass es bei den Kindern, dank exzessivem Trash-TV- und Videospielgenuß wohl noch um einiges schlimmer ist. Die Lehrer scheinen alle kurz vor oder bereits weit hinter einem Nervenzusammenbruch zu stehen. Bei den meisten wäre ohne weiteres eine posttraumatische Belastungsstörung (a la Afghanistan-Kampfeinsatz) zu diagnostizieren.

    Und dann bekommst du ein schlechtes Gewissen, weil du deinen Sohn bei jedem Eintrag rundgemacht hast und weil du ihn jeden Tag in diese Hölle schicken musst. Und du kannst nichts tun, außer die Schule zu wechseln, aber nach dem, was man so hört wird es dort auch nicht besser sein. Verbesserungsvorschläge werden umgehend mit "Kein Geld", "Keine Zeit" und ähnlichem abgeschmettert. Und Kritik sollte man besser sein lassen. Immerhin können die Lehrer dein Kind notentechnisch auf Förderschulniveau bomben.

    So sieht dann der normale Schulalltag aus. Ich drücke euch so die Daumen, dass es bei euch besser läuft. Und wenn nicht: Bietet eurem Sohn zu Hause Halt und einen stabilen Ankerpunkt im Leben. Und stellt euch von Anfang an auf die Seite eures Sohnes. Seid immer nett und freundlich zu den Lehrern, holt sie "ins Boot". Das funktioniert ganz gut. Aber erwartet nicht zuviel.

    Ich hoffe, ich habe dir jetzt keine Angst gemacht. Aber vielleicht kannst du dich so schon mal an den Gedanken gewöhnen...

    1. "Ich hoffe, ich habe dir keine Angst gemacht." - Sehr witzig. Es kommt wohl wirklich auf die Schule / die Lehrer / das Kind an, wie die Schulbahn verläuft. So viele unbekannte Variablen und dass, wo ich doch ein geplantes Leben bevorzuge!
      Mal im Ernst: das ist wirklich gruselig, was du schreibst und hoffe, dass dein Kind die Zeit noch gut durchkommt.
      Machtpositionen, die die Lehrer definitiv haben, dürfen nicht ausgenutzt werden.
      P.S. Ich habe Angst vor den Elternsprechtagen, die in der Schule schlimmer werden sollen...

  3. Ich bin grade sehr erfreut, dass ich das ganze erst in ein paar Jahren durchmache und dann vermutlich auch weniger kompliziert da es hier im Ort nur eine Grundschule gibt.

    1. Mich erwischt das auch ganz kalt. Aber selbst die anderen Kita-Eltern sind ein wenig überfordert. Viele Fragen stehen offen. Die Panikmache seitens der Schulen, dass unsere Kinder vielleicht doch nicht angenommen werden, ist vollkommen unangebracht.
      Zu viel Auswahl kann definitiv Stress erzeugen. Wenn die eine Schule bei euch gut ist, ist das doch super!

  4. Ich bin gespannt - dein Artikel macht nicht grad Mut. Wir haben ein Kann-Kind (also zwei aber das zweite lernt grad laufen) und ich war gestern beim ersten Infoabend. 24-Monate vorher. Haben die Wahl aber auch nur zwischen A und B. Wobei ich die Privatschule ob der garantierten Nachmittagsbetreuung eine echte Alternative finde, weil wie bitte, soll ich sonst um 11:30 Uhr zuhause sein? Hort-Plätze sind hier nämlich Glück und meldet man am Besten in der ersten Lebenswoche des Kindes an. Super, wenn man zugezogen ist. Nicht...
    Ich wünsche Euch viel Erfolg!

  5. […] Wir spielten uns gut ein, wir bekommen den Alltag rund um Kita, arbeiten, Kinder abholen und Kinderbeschäftigung recht gut hin. Nur wenn einer von uns krank ist, ob Eltern oder Kind, müssen wir rotieren. Weder Großeltern noch Kindersitter haben wir in der Nähe. Wir bauen uns aber eines Freunde-Netzwerk auf, bei dem wir auch mal die Kinder anderer mit nach Hause nehmen, wenn es brennt oder wir einfach Lust haben. Wir machen viele kleine Ausflüge (Mallorca, Erdbeerhof, Park), um dem Alltagstrott zu entfliehen, lesen viel vor oder spielen zusammen Lego, Brettspiele, Karten und manchmal auch am Computer oder an einer Konsole. Das kann man auch gut in unseren Wochenenden in Bildern sehen, eine von Susanne Mierau initiierte Aktion, bei der jeder das Wochenende zeigen kann. Sie sammelt diese dann auf ihrem Blog Geborgen Wachsen. Für mich war der Rummel rund um die Einschulung im nächsten Jahr neu. Alles startete mit der Schulanmeldung, bei der erste Probleme aufkamen. […]

  6. Wow, da bin ich ja echt froh, aus Berlin fortgegangen zu sein. Vor 12 Jahren war das noch nicht alles so ganz bürokratisch. Da kam die Schuluntersuchung, die Schulanmeldung inkl. Hortanmeldung und die dann auch noch im Wohngebiet. Punkt. Wenn ich das jetzt so lese, graust es mir.

    Da bin ich doch sehr froh, dass es nun "auf dem Land" (auch wenn es eine Kreisstadt ist) nur wenige Grundschulen (und sogar nur eine Oberschule) gibt, wo die "Kernzeitbetreuung" (der Hort) mit drin ist. Wir sitzen nämlich gerade an der Anmeldung für diese Kernzeitbetreuung. Nachteil ist allerdings hier, dass diese nur bis 14.30 Uhr max. geht, ohne Verpflegung ist. Also überlegt man dann schon, was mache ich, wer könnte mittags aushelfen. Noch habe ich nur einen einen Teilzeitjob, der bis 13 Uhr geht....aber die Einschulung ist erst nächstes Jahr ;)

    LG Ivi

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