Sarah Depold
9. Oktober 2017
(Aktualisiert: 25. Juni 2022)

Wenn Geschwisterliebe erst später kommt

Mein großer Sohn war sehr gerne Einzelkind und vielleicht wäre er es das gerne noch heute. Dementsprechend schlecht nahm er die Ankunft seines kleinen Bruders vor drei Jahren auf. Er war sehr eifersüchtig. Es besserte sich nur langsam. Wie würde er ein zweites Geschwisterchen, eine Schwester aufnehmen und wie wird sein kleiner Bruder reagieren, wenn er nicht mehr der Kleinste ist?

Eifersucht unter Geschwistern

Ist alles normal, habe ich oft gelesen. Das hilft nur leider nicht so viel, wenn man mittendrin steckt und nicht weiß, wie man dem großen Kind helfen kann, das kleine anzunehmen. Oder soll man das einfach akzeptieren? Wir entschieden uns, ihn einzubinden, sofern er das wollte. Wie wir das machten, schrieb ich im Blogartikel Geburtsvorbereitung für Geschwister. Sehr langsam, nach ca. fünf Monaten, wurde es besser. Er ignorierte seinen Bruder nicht mehr, sondern machte sogar Faxen für ihn! Er nahm ihn wahr und wollte ihn zum Lachen bringen.

Dasselbe beobachte ich auch bei Sohn 1.0 und seiner Schwester. Anfangs schaute er sie nicht an, berührte sich bisher auch noch nicht, doch seit sie vier Monate alt ist, möchte er ebenfalls ihr Lachen einfangen. Ich kann mir vorstellen, dass er ihr später eben diese Dinge zeigt, die er seinem Bruder vorführte. Das hätte ich nie gedacht, dass sich alles doch so gut entwickelt. Manchmal spielen die Jungs zusammen, hecken Pläne aus, bauen eine Bude, basteln und dann gibt es andere Momente, in denen gestritten, gehauen und gebrüllt wird. Mehrfacheltern kennen das. Alles normal. Ich vermute, dass mein Sohn mit ganz kleinen Babys noch nichts anfangen kann. Das ist vollkommen in Ordnung so. Als wir das dritte Kind bekamen, konnten wir damit besser umgehen, wir kannten das bereits.

Späte Geschwisterliebe

Oft dachte ich, dass er seinen kleinen Bruder nicht mag. Schaute ich jedoch genauer hin, wusste ich, dass ich falsch liege. Es gibt eine Verbindung zwischen den beiden. Es gab mehrere Situationen, als ein größeres Kind Sohn 2.0 etwas wegnehmen oder ihn zur Seite drängen wollte. Sofort war der große Bruder da, um zu helfen. In diesem Moment dachte ich: Ja, das ist es! Die Geschwisterliebe ist da. <3

Die große Liebe zwischen Bruder und Schwester

Ganz anders ist Sohn 2.0. Er war von Beginn an glücklich, seine kleine Püppiline zu haben. Er küsst sie, streichelt sie, stillt und wickelt seinen Teddy parallel, er liest seiner Schwester vor und ist durchweg lieb zu ihr. Da die beiden nicht ganz drei Jahre auseinander sind, hatte ich zuvor Angst, dass er grob sein könnte. Doch keine Spur davon. Er weiß genau, wie er mit ihr umgehen kann. Natürlich lasse ich die beiden trotzdem nicht allein in einem Raum. Der 3-Jährige hat manchmal gar zu lustige Ideen...

Er ist der erste, der mir Feuchttüchter oder Windeln bringt, schaut oft zu, wenn ich das Baby-Mädchen wickle. Sohn 2.0 erlaubt es auch, dass seine Schwester mit dabei ist, wenn ich ihm abends im Bett vorlese. Mehr noch: er kuschelt mit ihr, dass mir ganz warm ums Herz wird. Von Anfang an sagte ich, dass wir Bücher ansehen können, während ich stille. Das hat er verinnerlicht und findet es von Beginn an normal und schön.

Der Große möchte sie eher nicht zwischen uns liegen haben, wenn ich ein Buch zücke, um vorzulesen. Ich versuche dann, eine Lösung zu finden. Dann lege ich sie auf die andere Bettseite und kuschle mich an meinen Sohn ran. Obwohl er oft so groß wirkt mit seinen sieben Jahren ist er dennoch ein Kind. Das vergesse ich manchmal, wenn er mir sein geballtes Wissen von vielen Maus-Folgen um die Ohren ballert. Für immer mein Erstgeborener, mein erstes Baby. <3

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2 comments on “Wenn Geschwisterliebe erst später kommt”

  1. Nur weil sie älter werden, werden sie nicht plötzlich anders. Das merke ich bei unserem auch immer wieder. Er ist inzwischen 6 Jahre alt, dennoch plagen ihn immer diverse Sorgen und Gedanken, die ich einfach nicht nachvollziehen kann und oft erwische ich mich dann bei dem Gedanken, dass er es doch eigentlich jetzt besser bewältigen sollte, wo er doch jetzt größer ist. Alles nicht so einfach.

  2. Ich glaube, dass Deine Jungs einfach sehr unterschiedlich sind. Einerseits angeboren, andererseits durch Prägung. Der jüngere Sohn kennt es ja nicht anders; von Anfang an war da jemand, mit dem er die Eltern teilen musste. Wahrscheinlich ist es normal für ihn, Euch jetzt auch mit der kleinen Schwester zu teilen. Sohn 1 kennt das Gefühl, ganz alleine mit Euch zu sein und teilt Euch daher "weniger gut". Dass kleine Kinder mit Babygeschwistern im Allgemeinen nicht so viel anfangen können, klingt nur logisch. Mit einem echten Gefährten macht alles viel mehr Spaß!

    Der Bub hat damals sehr lange gebraucht, bis er die Ankunft der June verdaut hatte (Altersunterschied nur 18 Monate). Mit 3 und fast 5 Jahren sind sie nun fast wie Zwillinge und gegenseitig die "besten Freunde"!

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